Naturschutzgebiet 3 "Neckaraue zwischen Botzheimer Wasen und Oberer Wörth" Naturschutzgebiet 4 "Altneckarschleife - Neckarplatten" Naturschutzgebiet 5 "Wörthel" Naturschutzgebiet 6 "Maulbeerinsel" Naturschutzgebiet 1 "Altneckar - Heidelberg - Wieblingen" Naturschutzgebiet 2 "Altneckar - Wörth - Weidenstücker"
Tipp: Details werden durch Anklicken der jeweiligen Naturschutzgebiete (=NSG) angezeigt
1986 sind weite Bereiche im Flussgebiet "Unterer Neckar" unter Landschafts- bzw. Naturschutz gestellt worden. Dies hat zum Teil massive Beeinträchtigung der Angelfischerei mit sich gebracht.

Auf dieser und allen mit LINKS verbundenen Seiten veröffentlichen wir Auszüge bzw. eingescanntes Kartenmaterial der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Karlsruhe zum Thema "Natur- und Landschaftsschutzgebiete im Bereich Unterer Neckar".

Der SAV Schriesheim übernimmt keine Gewähr für die Aktualität oder Richtigkeit der Darstellungen.

 

Der Lebensraum Unterer Neckar
Inmitten des Ballungsraumes Mannheim - Heidelberg erstreckt sich eine in Resten erhaltene Flussauenlandschaft am Unteren Neckar, welche sich zwischen dem Wehr bei Heidelberg-Wieblingen und der Mündung des Neckars in den Rhein bei Mannheim erstreckt. Die naturräumliche Lage am Unterlauf des Neckars gliedert man in drei geomorphologische Einheiten:
- Bergstraße auf den Grabenschultern,
- Neckar-Rheinebene mit dem Neckar-Schwemmfächer und der Neckaraue, sowie Teile der Kinzig-Murg-Rinne,
- Oberrhein-Niederung.

Die Ablagerungen des Neckars vor dem Gebirgsrand fallen mit einer äußerst geringen Neigung von 0,8-1,2 % zum Rhein hin ab. Der Neckar besitzt bei seinem Austritt aus dem Odenwald mit 1,5 % ein kräftiges Gefälle, das unterhalb von Ladenburg auf nur noch 0,1-0,3 % abnimmt. Kennzeichen aller drei Naturraumeinheiten ist die starke landwirtschaftliche und technisch-industrielle Nutzung.

Die durch Menschen verursachten Veränderungen an dem Fluss selbst lassen sich bis in die Zeit des 2. bis 3. Jahrhunderts zurückverfolgen. Bereits zu dieser Zeit betrieben die Römer Schifffahrt. Bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts mäandrierte der Neckar zwischen Mannheim und Feudenheim unter Ausbildung einer großen s-förmigen Schlinge (Achse NNE - SSW). Durchstichversuche sind bereits aus der Römerzeit bekannt. Als einzige alte Neckarschleife ist bis heute nur die Schlinge bei Ilvesheim erhalten geblieben. In den Jahren 1920-1929 wurden der Ausbau des Neckars vorangetrieben und die Staustufen bei Wieblingen und Ladenburg sowie zwei Seitenkanäle fertig gestellt. Ihnen folgte eine Reihe von Kraftwerken, welche mit dazu beitrugen, das natürliche Abfluss- und Fließverhalten des Unterlaufes des Neckars tief greifend zu verändern.

Der zunehmende Nutzungs- und Flächenbearf durch Industrie, Wohn- und Siedlungsbau, Verkehr und Freizeit hat die ursprüngliche Neckarflussaue weitgehend zerstört. Der noch erhaltene Rest dieser einzigartigen Flusslandschaft mit ihren Inseln, Kies- und Sandbänken, Flach- und Stillwasserbereichen, Prall- und Gleitufern ist jetzt unter Schutz gestellt. Ein typisches, kleinflächiges Vegetationsmosaik mit einer reichen Vogelwelt mit mehr als 150 Arten, von denen 31 % überregional als stark gefährdet gelten, unterstreichen den Wert dieses Gebietes. Für die Vögel dient dieser Naturraum vor allem als Brut-, Rastquartier und Überwinterungsort (,Trittsteinfunktion").

Auch als Laichgewässer seltener Fisch- und Amphibienarten, Muscheln und Schnecken hat der Untere Neckar eine herausragende Bedeutung. Außerdem beherbergt er eine vielgestaltige Insektenfauna. Um diesen Naturraum des Unteren Neckar zumindest in seinem jetzigen Zustand zu sichern, erließ die Höhere Naturschutzbehörde auf Veranlassung der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Karlsruhe am 17. Dezember 1986 eine Verordnung für sechs Naturschutzgebiete mit einer Fläche von zusammen 187 ha und fünf Landschaftsschutzgebiete mit einer Fläche von 548,7 ha. Bei den Landschaftsschutzgebieten handelt es sich in der Hauptsache um mehr oder weniger intensiv genutzte landwirtschaftliche Grünflächen und Ackerland, deren Schutzzweck in ihrer Pufferfunktion zu den Naturschutzgebieten betrachtet werden muss. Sie haben eine bedeutende ökologische Sicherungs- und Ausgleichsfunktion für die Naturschutzgebiete und dienen vor allem der Bevölkerung zur Erholung und Beobachtung der vielgestaltigen Tier- und Pflanzenwelt. Die sechs NAturschutzgebiete (NSG) werden wie folgt unterteilt:
I.     NSG "Altneckar - Heidelberg - Wieblingen"
II.    NSG "Altneckar - Wörth - Weidenstücker"
III.   NSG "Neckaraue zwischen Botzheimer Wasen und Oberer Wörth"
IV.  NSG "Neckarschleife - Neckarplatten"
V.   NSG "Wörthel"
VI.  NSG "Maulbeerinsel"

 

Warum Natur- und Landschaftsschutzgebiete am Unteren Neckar?
Die in Resten noch erhaltene Flussauenlandschaft inmitten eines dicht besiedelten Ballungsraumes, wie wir ihn in Heidelberg - Mannheim antreffen, ist durch technisch-industrielle Nutzung in extremem Maße gefährdet. Die Erhaltung des Unterlaufes des Neckars und seiner Flussufersäume, Auen und Vorländer, insbesondere der noch ursprünglich geformten, naturnahen, nicht schiffbaren Flussabschnitte mit ihrem Wildflusscharakter bestimmen den Schutzzweck

Darüber hinaus gilt es durch besondere Regelungen auch die auentypische, vielfach gefährdete und teilweise vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten und deren Bestand zu fördern. Die Verordnung zum kombinierten Natur- und Landschaftsschutzgebiet Unterer Neckar listet unter § 4 die Verbote in den Naturschutzgebieten und in § 7 in den Landschaftsschutzgebieten auf.

§4 - Verbote in den Naturschutzgebieten:
(1) In den Naturschutzgebieten sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung der Schutzgebiete oder ihrer Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.
(2) In den Naturschutzgebieten ist insbesondere verboten:

  1. Bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellter Maßnahmen durchzuführen;
  2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;
  3. die Bodengestalt zu verändern;
  4. fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern, sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;
  5. Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;
  6. Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;
  7. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;
  8. Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;
  9. die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu verändern;
  10.  zu baden, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;
  11. außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;
  12. ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;
  13. Hunde frei laufen zu lassen;
  14. die Wege zu verlassen;
  15. die Wege mit Fahrzeugen aller Art zu befahren; hiervon ausgenommen ist das Fahren mit Krankenfahrstühlen, sowie das Radfahren auf ausgewiesenen Radwegen;
  16. Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;
  17. zu reiten, Ausnahmeregelungen in speziellen Naturschutzgebieten sind bei der jeweiligen Beschreibung des Gebietes dargelegt;
  18. Brach- und Dauergrünland in Ackerland umzubrechen;
  19. Pflanzenbehandlungsmittel und Dünger zu verwenden;
  20. Gehölze, Hecken, Sträucher und Röhrichtbestände zu beseitigen oder zu zerstören.

Die Ausübung der ordnungsgemäßen Jagd- und Berufsfischerei sowie der Sportfischerei werden in § 5 geregelt und bei der Besprechung der jeweiligen Naturschutzgebiete speziell für die Belange der Fischerei erläutert.

Auch die Ausweisung von fünf Landschaftsschutzgebieten dient der Erhaltung dieses Naturraumes Unterer Neckar und stellt ein wichtiges Puffer- und Ergänzungssystem für die Naturschutzgebiete dar. Den Landschaftsschutzgebieten kommt dabei eine Ausgleichsfunktion für die Naturschutzgebiete und insbesondere die Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung erholungswirksamer Landschaftsstrukturen und ihrer Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für die Allgemeinheit zu.

Trotz alledem muss es aber auch in diesen störungsempfindlichen Bereichen zu Regelungen kommen. Diese sind in §7 aufgeführt:

§7 - Verbote in den Landschaftsschutzgebieten
In den Landschaftsschutzgebieten sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn dadurch

  1. der Naturhaushalt geschädigt,
  2. die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,
  3. eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,
  4. das Landschaftsbild nachhaltig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder
  5. der Naturgenuss oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

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